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ERASMUS
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„Erasmus“ – der Name in Anlehnung an einem gewissen Erasmus von Rotterdam steht heute nahezu als Synonym für den studentischen Austausch. Vergangene Woche feierte das Förderprogramm der Europäischen Union seinen runden Geburtstag. Zeit um zurück, aber allen voran nach vorne zu schauen.

Großer Franzose, großer Traum

Als das heute weltweit größte Förderprogramm von Auslandsaufenthalten an Universitäten ins Leben gerufen wurde, war nicht absehbar, in welche Sphären es eines Tages stoßen würde. Im Premierenjahr, 1987, trauten sich ganze 3244 Studenten über ihre akademischen Ländergrenzen hinweg, jedoch geht die Idee des Erasmus-Programms bis ins Jahr 1973 zurück. Nach der Norderweiterung strebten die damaligen neun EU-Mitglieder an, die Zusammenarbeit im Bereich Hochschulausbildung zu verstärken. Erst der Franzose Jacques Delors, ab 1985 Präsident der EG-Kommission, beschleunigte die Gründung des Erasmus-Programms. Delors, welcher neben Jean Monnet als der zu seiner aktiven Zeit wohl einflussreichster Europa-Politiker galt, hatte eine Vision: Stolze 10 Prozent aller europäischen Studierenden sollten am Mobilitätsprogramm teilnehmen, eine damals utopische Zahl. Nach zähen Ringen mit dem Rat der europäischen Bildungsminister und der dreimaligen Ablehnung, wurde das Erasmus-Programm letztendlich am 15. Juni 1987 verabschiedet.

Jung, begehrt und für jeden zu haben: Erasmus heute

30 Jahre später wissen wir: Delors’ Vision wurde Realität. Allein aus Deutschland waren es knapp 40.000 Studierende im vergangenen Jahr und nicht nur Akademiker können den Sprung ins Ausland wagen. Schüler, Auszubildende und Lehrkräfte können vom Erasmus-Programm profitieren. Auch wenn die Zahlen bei Weitem noch nicht die Reichweite der akademischen Kollegen erreichen, stellen sich Betriebe und Schulen immer weiter darauf ein. Tendenz steigend. Ebenso wurde der Punkt „Jugend in Aktion“ ins aktuelle „Erasmus+“ aufgenommen, in welchem insbesondere benachteiligte Jugendliche die Chance auf einen Austausch bekommen sollen. Heute beteiligen sich 33 Länder am Programm: die 28 Mitgliedstaaten der Union sowie Island, Liechtenstein, Mazedonien, Norwegen und die Türkei. Die Schweiz wurde aufgrund eines umstrittenen Volksentscheids in Bezug auf die Begrenzung von Einwandern vom Erasmus-Programm ausgeschlossen. Einige Schweizer Universitäten bieten jedoch weiter Austauschplätze zu quasi identischen Bedingungen an.

Erasmus als Politikum: Ein Beitrag zur Lösung des Demokratischen Defizits der EU?

Grund zum Jubeln hatte die EU in den letzten Jahren nicht. Umso enthusiastischer und mit Festlichkeiten auf dem ganzen Kontinent feierten die Mitgliedstaaten das 30-jährige Jubiläum von „Erasmus“. Delors’ Idee ist ohne Frage zu einem europäischen Leuchtturm-Projekt geworden. „Keine andere Initiative hat eine Generation von Europäerinnen und Europäern so geprägt“, so Bundesbildungsministerin Johanna Wanka auf einem Event zum runden Geburtstags. Wankas These wird gestützt: Bei fast 90 Prozent der befragten Europäer löst Erasmus positive Assoziationen aus, so Eurobarometer-Zahlen von 2016. EU-Bildungskommissar Tibor Navracsics geht noch einen Schritt weiter. „Erasmus“, so der Ungar, trage „auch zur Bildung einer europäischen Identität bei“, welche die lokale und nationale Loyalität ergänze.

Generation Erasmus soll’s nun richten

Genau diese europäische Identität der Erasmus-Generation soll Europa aus seiner Krise holen und einen Wendepunkt darstellen. Millionen spanische, deutsche, britische und andere Studierende kamen in den vergangenen drei Jahrzehnten in den Genuss im europäischen Ausland zu studieren. Sie sind am Zug. Sie sollen Europas Skeptikern die Vorzüge der Union erklären, warum wir Europa zukünftig weiter brauchen, so die Hoffnung der EU-Kommission. Ebenso Bundeskanzlerin Angela Merkel appelliert in ihrer Videobotschaft an die Generation Erasmus: „Liebe Studierende, wie sich Europa entwickelt, liegt auch in Ihren Händen. Sie profitieren heute von den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Errungenschaften. Und morgen stehen Sie in der Verantwortung genau dafür.“

Wo liegt die Zukunft von „Erasmus“?

Ohne Frage das Erasmus-Programm ist eine Erfolgsgeschichte. Sein aktueller Ableger „Erasmus+“ wurde bis 2020 verlängert und soll alles in allem vier Millionen Azubis, Hochschulangehörigen, Praktikanten und Studierenden einen Auslandsaufenthalt ermöglichen. Momentan nehmen nur vier Prozent der deutschen Ausbildenden die Chance wahr am Programm teilzunehmen. Genau hier muss die Bundesregierung die Mobilität weiter fördern, vor allem im Sinne einer europäisch geformten Zivilgesellschaft. Unter deutschen Studierenden tritt der Trend auf der Stelle. Die Quote stagniert hier bei etwa 30 Prozent. Die EU-Politik möchte von „Generation Erasmus“ möglichst zeitnah profitieren, um den Trend der Renationalisierung auch ein Stück weit entgegenzutreten. Dies kann nur passieren, wenn der bisher eingeschlagene Weg weiterverfolgt und gestärkt wird. Erasmus+ kann nur ein weiterer Schritt sein, um europäische Integration auf Bürgerebene voranzutreiben.

EDIT: Anlässlich des 30. Bestehens des Erasmus Programms gibt es nun auch eine interaktive Erasmus-Map, die Studierenden dabei helfen soll, vor Ihrem Auslandsstudium einen guten Überblick über die verschiedenen Erasmus-Städte, das Leben und die möglichen Kosten vor Ort zu bekommen.

Klicke hier für weitere Informationen.

 

Zum Autor:

Robert Hansen studiert Demokratie und Regieren in Europa an der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen. Er absolvierte selbst im fünfzigsten Jubiläumsjahr der deutsch-französischen Freundschaft 2013/2014 ein Auslandslandjahr mit dem Erasmus-Programm in Strasbourg.

1 Kommentar

  1. […] europäischen Zusammenhalt generieren könnten, wird von den Erfahrungen des beliebt zitierten Erasmus-Programms gestützt. Die beiden Macher betonen hierbei, dass das europäische Austauschprogramm lediglich […]

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