Willst Du mit mir Europa retten?

Großbritannien vor der Snap-Election
Podcast: Großbritannien vor der Snap-Election
Juni 1, 2017
Parlamentswahl Frankreich
Podcast: Frankreich vor der Parlamentswahl
Juni 8, 2017
Share on FacebookTweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on Google+Pin on PinterestEmail this to someonePrint this page

Europa steckt in der Krise. Rechtspopulismus, innere Konflikte und institutionelle Blockaden drohen das Jahrhundertprojekt der Europäischen Einigung zu gefährden. Doch die Europäische Union ist noch nicht am Ende. Es braucht lediglich begeisterte Europäer, die neue Ideen entwickeln und der eingestaubten EU einen frischen Anstrich verpassen.

Es gibt sie: Junge, begeisterte Europäer

Am vergangenen Wochenende trafen sich bei der Europawerkstatt in Berlin auf Einladung der Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) europäische Aktivisten zum Gedankenaustausch. Die etwa 60 Jugendlichen und jungen Erwachsenen waren aus der ganzen Republik und sogar aus Frankreich angereist, um mit Gleichgesinnten über Europa zu reden und neue Projekte zur Stärkung Europas zu starten. Wir Lauten Europäer waren mit gleich vier Autoren vor Ort. Wir konnten zahlreiche spannende Diskussionen führen, wertvolle Kontakte knüpfen und mehrere konkrete Projekte durchführen bzw. initiieren. Vor allem aber konnten wir aber hautnah erleben, welche Begeisterung Europa bei vielen jungen Menschen noch zu wecken vermag. Es fehlt Europa vielleicht gar nicht so sehr an begeisterten Europäerinnen und Europäern, wie häufig gesagt wird. Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis aus den drei Tagen in Berlin.

Hochkarätige Gäste

Zum Start der Europawerkstatt war mit Manuel Sarrazin, dem europapolitischer Sprecher der Grünen im Deutschen Bundestag, ein spannender Gast zugegen. Im Gespräch mit den beiden Moderatoren und später in der offenen Diskussion mit den restlichen Teilnehmern kamen viele interessante Punkte zur Sprache. So brachte der Bundestagsabgeordnete beispielsweise seine Skepsis gegenüber einem Europa der verschiedenen Geschwindigkeiten zum Ausdruck – „Mit weniger Ländern wäre man vermutlich auch nicht schneller“ – und betonte, dass die EU durchaus sexy sei, „zumindest für Nerds“. Mit dem Begriff EU-Nerds ist vermutlich auch die Teilnehmerschaft der Europawerkstatt recht treffend beschrieben, sodass sein Kommentar allgemeine Zustimmung fand. Als zweiter Gast war am Samstag die Politikwissenschaftlerin und Autorin Ulrike Guérot zu Gast und stellte ihr Konzept einer Europäischen Republik vor, mit der sie das Demokratiedefizit der momentanen EU lösen und die Macht der Nationalstaaten in Europa brechen will.

 

MdB Manuel Sarrazin im Gespräch

Europäische Wahllisten – It’s party time!

Neben eher theoretischen Diskussionen gab es aber auch viele konkrete Projekte, die besprochen und umgesetzt wurden. In einer der zahlreichen inhaltlichen Sitzungen stellte der Europablogger Manuel Müller gemeinsam mit Tim Kappelt, einem Mitarbeiter von Ulrike Guérot, und Christian Beck, einem Mitarbeiter des Europaabgeordneten Sven Giegold, seine Idee von Europäischen Wahllisten vor. Der Kern der Idee besteht darin, dass die durch den Brexit frei werdenden Sitze im Europäischen Parlament bei den nächsten Europawahlen 2019 über eine Zweitstimme, bei der europaweit die Europäischen Parteien zur Wahl stünden, vergeben werden sollen. Die Europäischen Parteien würden so eine deutliche Stärkung erfahren und der Fokus der Europawahlen würde sich deutlich zugunsten der europäischen Perspektive verschieben, so zumindest die Hoffnung von Müller, Kappelt und Beck. Wir unterstützen diese Idee aus tiefstem Herzen. Ich selbst habe bereits in einem früheren Artikel die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Europawahlen analysiert und ein europaweites Wahlsystem gefordert. Der konkrete Vorschlag zur Neubesetzung der 73 britischen Sitze scheint hierbei ein pragmatischer und sinnvoller erster Schritt zu sein, der auch politisch durchsetzbar sein könnte.

Am letzten Tag der Europawerkstatt ging es dann auch darum, konkrete Ideen und Projekte zu entwickeln und voranzutreiben. Insbesondere die Ausarbeitung einer Kampagne zu den Europäischen Wahllisten hatte es uns angetan. Neben dem weiteren Vorgehen wurden auch schon erste Ideen ausgearbeitet, wie das Vorhaben in eine attraktive Gesamterzählung eingebunden werden könnte. Die Ideen reichten von einer Betonung der zu erwartenden Stärkung der Gemeinschaft (Europäer wählen europäisch) bis hin zur Stärkung der Europäischen Demokratie (One European, one vote) sowie ganz speziell der bisher eher unbedeutenden Europäischen Parteien (It’s party time!). Wir sind gespannt, wie sich dieses Projekt in Zukunft weiterentwickeln wird und werden tatkräftig an einer attraktiven Kampagne zur Stärkung der Europäischen Demokratie mitwirken.

 

Slogans für die Europäischen Wahllisten

Unkritische JEF-Blase

Etwas schade an der Werkstatt war die große inhaltliche Einigkeit unter allen Teilnehmern. Alle waren begeisterte Europäer und überzeugt davon, dass es deutlich mehr Europa geben müsse, um die aktuellen Krisen und Probleme zu lösen. Immer wieder fiel dementsprechend auch das Wort „JEF-Blase“, womit die große inhaltliche Übereinstimmung unter allen JEF-Mitgliedern gemeint war. Die Organisatoren hatten im Vorfeld versucht, durch die gezielte Einladung anderer Politaktivisten die JEF-Blase zumindest zu erweitern. Dies vergrößerte zwar die inhaltliche Bandbreite, die proeuropäische Blase konnte aber naturgemäß nicht verlassen werden. Vermutlich wäre dies aber im Rahmen dieser Veranstaltung auch gar nicht möglich oder angebracht gewesen.

Europäer aller Länder, vereinigt Euch

Nach drei Tagen Europawerkstatt waren wir alle ziemlich optimistisch, aber auch mindestens genauso erschöpft. Die Rettung und Reform der EU wird kein Sprint werden, wie es vielleicht einige Optimisten in jüngster Vergangenheit gehofft hatten. Sie wird vielmehr ein jahre- wenn nicht jahrzehntelanger Marathonlauf. Alle Europäer werden einen langen Atem benötigen, um den ermüdenden Kampf gegen Europaskepsis und Populismus zu gewinnen. Veranstaltungen wie die Europawerkstatt der JEF sind deshalb umso sinnvoller, um Europäer aus unterschiedlichen Ecken Deutschlands, mit unterschiedlichen parteipolitischen Hintergründen und ganz verschiedenen Ideen und Projekten zu vernetzen. Man kann sich gegenseitig unterstützen und bestärken. Allein deshalb hat sich das Wochenende in Berlin für uns und hoffentlich auch alle anderen Teilnehmer schon gelohnt.

An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an die JEF Deutschland für die rundum gelungene Organisation des Events. Wir kommen sehr gerne wieder!

1 Kommentar

  1. […] Folgen nach sich, die die Verantwotlichen erst allmählich zu überblicken scheinen. So werden bespielsweise die 73 Sitze der britischen Abgeordneten im Europäischen Parlament frei und…. Eine andere Konsequenz des Brexits ist die notwendige Umsiedlung der in London ansässigen […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.