EU-Roaming: Juncker will nach Hause telefonieren

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Kein Witz. Nun ist es wirklich so weit: Nach einer Never Ending Story stehen die lästigen Roaminggebühren am 15. Juni vor dem Aus. Die Nutzung am Mobiltelefon im europäischen Ausland wird endlich bedeutend günstiger. Aber Vorsicht – Reisende müssen trotzdem aufpassen.

Bye, bye Roaming: Wenn Träume wahr werden

Noch vor einigen Jahren mussten Handynutzer für das Telefonieren im Ausland tief in die Tasche greifen. Der Europäischen Kommission sei Dank wurden die Preise für Telekommunikation im Ausland nach und nach gesenkt. Und siehe da, ab Mitte Juni können Reisende ohne Extrakosten im EU-Ausland im Internet surfen, mobil telefonieren und SMS versenden. Vertreter der Mitgliedsstaaten und des Europaparlaments in Straßburg beseitigten Anfang April das letzte Hindernis und verabschiedeten die entscheidende Verordnung. Andrus Ansip, der zuständige Vizepräsident in der Europäischen Kommission, prognostizierte schon damals: „Das war das letzte Puzzleteil.“ Die letzten Roaming-Grenzen innerhalb der EU werden endlich aufgehoben. Aber für wen gelten die neugewonnenen Privilegien?

Wer mitmacht und wer nicht

Von Malta bis nach Finnland: Die initiierten Regulierungen der Kommission gelten in allen EU-Staaten. Nachbarländer der Union wie Island, Norwegen oder Liechtenstein werden in kurzer Zeit nachziehen, sodass in fast allen Staaten Europas kein Extrageld erhoben werden kann. Doch es gibt Ausnahmen. Außerhalb der Europäischen Union, zum Beispiel in der Schweiz sowie in der Türkei, werden nach wie vor Gebühren erhoben. Hier hat die EU-Roaming-Verordnung ihre Grenzen. Wer sich beispielsweise im Grenzgebiet zur Schweiz bewegt, sollte hier das Mobiltelefon auf manuelle Netzauswahl umstellen, um zu verhindern, dass sich das Smartphone unbemerkt im Netz des Nachbarlandes anmeldet. Und für alle Fans der britischen Insel gut zu wissen: Solange der Brexit noch nicht vollzogen ist, wird es auch in London, Edinburgh und Manchester möglich sein, zu Heimatpreisen zu telefonieren.

EU-Roaming: Zu schön, um wahr zu sein? Die Hintertür der Mobilfunkdienste

So schön der Wegfall der Extragebühren innerhalb der EU klingt, die europäischen Mobilfunkgesellschaften haben sich etwas ausgedacht: die Fair-Use-Grenze, die mit Junckers Roamig-Verordnung ins Spiel gebracht wird. Diese soll laut den Mobilfunkanbietern Missbrauch verhindern. Ein genauerer Blick zeigt auf, dass diese Grenze nicht exakt definiert ist. „Roaminganbieter können beispielsweise in einem Zeitraum von vier Monaten beobachten, ob Kunden überwiegend Mobilfunkdienst im Ausland oder im Inland nutzen“, schreibt Michael Reifenberg von der Bundesnetzagentur mit Sitz in Bonn. Das bedeutet, wer seine SIM-Karte überwiegend im Ausland verwendet, muss dementsprechend wahrscheinlich mit einem Kostenaufschlag rechnen. Vodafone, T-Mobil & Co. müssen dies zwar zuvor ankündigen, aber bisher gibt es zur Höhe des Aufschlags keine genauen Zahlen.

EU-Bürger müssen aufpassen

Wieso hat die Kommission die Fair-Use-Grenze mit in die Verordnung aufgenommen? Das Wegfallen der Roaminggebühren im europäischen Raum heißt für den Markt sinkende Umsätze und Einbußen beim Ertrag, ist sich der Branchenverband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) sicher. Daher soll es Ausnahmen geben. Wenn die Riesen der Telekommunikationsbranche hohe Verluste belegen, dürfen diese wahrscheinlich über einen Zeitraum von zwölf Monaten wesentlich mehr Geld von ihren Kunden verlangen. Es gilt zudem zu betonen, dass Europas neue Telefonregeln nicht bedeuten, dass nun auch Anrufe aus dem Heimatland ins Ausland kostenlos oder zum Inlandstarif sind. Hierfür werden weiterhin die vom Anbieter festgelegten Kosten für Gespräche im Ausland anfallen.

Das nächste große Projekt der Kommission: kostenfreie WLAN-Hotspots

Nachdem über Jahre die Preise für die Telefonnutzung von EU-Land zu EU-Land gefallen sind und die Union Mitte Juni den Wegfall der Roaminggebühren feiert, sitzt die Kommission bereits an ihrem nächsten großen Projekt – dem Internet: das erklärte Ziel der kommission ist es, überall, immer und kostenlos Internet für die Nutzer zu gewährleisten. Mit einem Millionenbudget von bisher 120 Millionen Euro will sie WLAN-Hotspots in tausenden Gemeinden schaffen. Kostenlos sollen EU-finanzierte Internetzugänge in Krankenhäusern, Büchereien oder öffentlichen Plätzen installiert werden. Die Achse um das Europarlament, die Kommission und Vertreter der EU-Staaten haben bereits ihr O.K. gegeben. Die Verhandlungen mit Unterhändlern steht noch aus und letzte Details sollen Ende 2017 geklärt werden. Erst keine Roaminggebühren mehr und bald WLAN-Hotspots in vielen öffentlichen Bereichen? Es geht voran in der europäischen Telekommunikation. Hoffen wir trotzdem, dass es im Fall der WLAN-Hotspots schneller geht als bei den Roaminggebühren.

1 Kommentar

  1. Thomas sagt:

    Mit dem Aus der Roaming Gebühren wurde in jedem Fall etwas für alle gemacht, denn so kann man in der EU in diesem Bereich eine Menge Geld sparen. Insbesondere in der Urlaubszeit wurde es für viele doch schon sehr teuer.

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